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Omohide Poroporo (Memories with Teardrops) - Only Yesterday *

Isao Takahata, der Regisseur von Werken wie 'Grave of the Fireflies' und 'Pompoko', hat mit diesem Film sein Lehrstück erschaffen. Denn ihm ist es gelungen, etwas zu vollbringen, dass lange Zeit kein Regisseur mehr interessierte: einen abendfüllenden Zeichentrickfilm über das tägliche Leben.

Die Geschichte spielt im Jahre 1982. Unsere Heldin, Taeko Okajima, arbeitet bei einer Zeitung in Tokio. Ausgelaugt vom täglichen Arbeitstrott, entschliesst sie sich kurzfristig Ferien auf dem Lande in Yamagata zu machen. Sie möchte an der Ernte der Benibana-Blüte teilnehmen, deren Blätter zu einem natürlichen Färbungsmittel für Kleider verarbeitet werden.
Taeko lebt als Single und konnte sich nie mit dem Erwachsenen-Sein richtig abfinden. Ihre Mutter macht ihr aus diesem Grunde immer wieder Vorwürfe, denn mit 27 Jahren sollte man in Japan schon längst verheiratet sein.
Taeko fühlt sich ständig von einer Person verfolgt. Diese Person ist sie selbst, als sie noch in die Primarklasse ging. Je mehr sie sich der ländlichen Atmosphäre von Yamagata nähert, umso mehr steigen in ihr die Erinnerungen ihrer Kindheit wieder empor. Ihre erste Liebe, ihre Abenteuer in der Schule, ihre beste Freundin, der Genuss der ersten Ananas (war noch eine Seltenheit zu dieser Zeit in Japan), die erste Ohnmacht, der Junge, der einem ständig ärgerte, etc.

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Am Bahnhof wird sie von Toshio abgeholt. Auf dem Lande lernt sie Leute kennen, die ihren Beruf noch wirklich lieben und sich durch den hektischen Betrieb der Grosstädte nicht ablenken lassen, was Taeko stark beeindruckt. Zwischen Toshio und Taeko entwickelt sich eine Romanze und Taeko ist sich nicht sicher, ob sie den Schritt in eine neue Zukunft wagen soll. Der Film wechselt dauernd zwischen dem Jahr 1982 und 1966 hin und her, wobei die Übergänge immer thematisch miteinander verbunden sind. Es sind immer wieder Erreignisse des täglichen Lebens, die sie an ihre Kindheit errinnern.

Keine hopsenden Gummibären, keine niedlichen weissen Löwen, auch keine Superhelden in Latexanzügen, und erst recht keine Raumschiffschlachten. Nun, was soll also an diesem Film so besonders sein, wenn nichts von diesen visuellen Effekten vorhanden ist?
Der Film erzählt eine ganz simple und einfache Geschichte des alltäglichen Lebens, dies aber in einer sehr hohen Qualität. Eine Fähigkeit, die der moderne, westliche Zeichentrickfilm schon lange verloren hat. Als ein französischer Regisseur diesen Film zum ersten Mal sah, konnte er seine Bewunderung nur mit einem gallischen Sprichwort ausdrücken:"Die spinnen, die Japaner."
Im Gegensatz zu 'Grave of the Fireflies', bei dem der Zuschauer schon allein durch die Wahl des Themas auf emotionaler Ebene angesprochen wird, behält Omohide Poroporo immer eine Distanz zum Betrachter. Jede Bewegung und jedes Gefühl der Heldin Taeko werden, ohne Schnörkel, kristallklar dem Besucher vermittelt und dank dieser Distanz kann sich der Zuschauer nicht hinter seinen eigenen Gefühlen verstecken: Einsamkeit, Schmerz, Traurigkeit, Scham, Glück, Lachen, Zufriedenheit. Und das macht wohl den Reiz dieses Filmes aus. Gleichzeitig stellt er ein Zeitgemälde zweier Generation Japans dar: Einerseits das traditionelle Japan mit dem Vater als Pfeiler und bestimmende Person innerhalb der Familie und andererseits die erwachsene, unabhängige Taeko.
Die Musik besteht aus Japanischen Schlagern der sechziger Jahre, die sich mit bulgarischen Frauenchorgesängen der modernen Zeit abwechseln. Kein Film nach jedermanns Geschmack, aber ein Film, den jeder einmal gesehen haben sollte.


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